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Nächtlicher Besuch - Teil 8

Autor: Andreas Fischer
Geschrieben am: 14.08.2001 um 08:17 Uhr

Rouvasch verstand die Welt nicht mehr, er hatte doch auf der Stelle kehrt gemacht und die Tür abgeschlossen. Wieso sah er statt des bekannten Dunkels seines Gemachs nur altes Holz vor seinen Augen? „Arg, ich habe mich ausgeschlossen… wie konnte ich nur?“ Hektisch fummelte Rouvasch an dem Schloß herum und achtete nicht weiter auf Lady Cancelot, Takina, Dreibuchstaben und einer ästhetischen Nase, die sich an der Gruppe vorbeischleichen wollte. Takina war der erste, dessen Blick sich von Rouvaschs Allerwertesten lösen konnte. Er war sichtlich überrascht, eine freikrabbelnde Nase durch die Gänge schleichen zu sehen. „Solltest Du nicht längst wieder in einem Gesicht sein?“ Auch Lady Cancelots Paralyse (bedingt durch den Allerwertesten des Barden) verpuffte langsam. Mit einem verzückten „Ah, da sie ist sie ja!“ packte sie das Riechorgan am Nasenflügel und stopfte es in ihr Mieder. „Nein, ni…“ protestierte das zierliche Näschen, dann war nur noch ein leises Murmeln zu hören. Auch Dreibuchstaben war wieder normal, es ließ den Barden Barden sein und schaute stattdessen Lady Cancelot verdutzt an. „Spinn ich oder träume ich? Ich sehe einen keuschen Barden nackt, der angeblich Frauenbesuch hat. Dann krabbelt hier eine Nase herum und da hinten“, er deutete auf das schwach beleuchtete Ende des Ganges, „irrt Jerron ohne Nase herum…“ „Wo?“ grinste Lady Cancelot mit gefletschten Zähnen. Die Blutgier stand ihr ins Gesicht geschrieben, wenn sie zu dieser Nachtzeit schon um den Schlaf gebracht wurde, dann wollte sie wenigstens ihren Spaß haben. Mit einem Freudenjodler schoß sie den Gang hinunter, direkt auf den suchenden Seher zu. „NEIN! ERBARMEN!“ Jerrons Schrei gellte über den nackten Korridor und hinterließ einen Anflug von Schauer in den Gesichtern der drei Verbliebenen. „Ich träume das doch alles nur?“ redete Dreibuchstaben sich weiter ein und hoffte endlich, aus diesem bizarren Traum zu erwachen.

Schweißgebadet erwachte Takina, der grüne Gobbo aus seinem Traum. „Merkwürdig“ murmelte er, sein Traum hatte so real gewirkt, so echt… Geräusche auf dem Flur ließen ihn innehalten. Schlufte da nicht Dreibuchstaben durch die kahlen Gänge der Burg. Es klang so, als ob er ein Kettenhemd, eiserne Beinschoner und ein Schwert dabei hatte. Dem Gobbo schauderte, es waren die gleichen Geräusche wie in seinem Traum. Würde er jetzt aufstehen, würden dann die gleichen Ereignisse geschehen? Müßte er dann wieder nach einer Lüge suchen, um Rouvaschs Freundin zu decken? Wäre es nicht besser, Dreibuchstaben weiterhin alleine durch die Gänge schleichen zu lassen? Nur was würde er alles verpassen? Lady Cancelot im weißen Nachthemd in den süßen Plüschpantoffeln… Rouvasch nackt… (sah der zum Schießen aus) Sollte er nun aufstehen oder nicht?

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