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Nächtlicher Besuch - Teil 50

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 05.01.2002 um 02:11 Uhr

Während die Drachenritter am Boden bereits die Schlacht für sich entschieden, tobte hoch oben am Himmel noch immer ein Kampf auf Leben und Tod.

Der karierte Kampfdrache sah sich nun arg in Bedrängnis. Jetzt sah er sich nicht nur seinem eigentlichen Feind gegenüber, auch diese lästigen kleinen Viecher bereiteten ihm ernsthafte Probleme. Wieder grub sich einer ihrer Flammenstrahlen durch seinen Schuppenpanzer und versengte sein Fleisch. Ein scharfer Schmerz durchzuckte ihn. Wütend ließ der Kampfdrache seinen Kriegsschrei ertönen und stürzte sich auf Pelur. Er würde diesen Kampf nicht verlieren.

Takina krallte sich verzweifelt im Nacken des karierten Drachens fest. Seine Augen waren geschlossen. Sein Körper zitterte. Und Takina tat etwas, was er noch nie getan hatte. Er betete. Er betete zu allen Göttern von denen er jemals gehört hatte und noch zu ein paar weiteren, die er sich just in diesem Moment ausgedacht hatte. Nur um sicher zu gehen.

Plötzlich ertönte ein Schrei. Dieses Geräusch als laut zu bezeichnen wäre geschmeichelt gewesen. Es war ohrenbetäubend. Es war entsetzlich. Und vor allem war es schmerzhaft. Der Gobbo riß die Augen auf und hätte sich fast die Hände auf die Ohren gepreßt. Doch im letzten Moment fiel ihm ein, daß ein Sturz aus dieser Höhe vermutlich noch viel schmerzhafter als so ein Drachenschrei war. Also klammerte er sich weiterhin fest und ließ seinerseits einen Schrei erklingen, als er endlich realisierte, worauf der Drache, auf dem er saß, gerade zusteuerte…

Pelur erwartete den Angriff mit einer unglaublichen Ruhe. Genau darauf hatte er gewartet. Sein Fein kam rasend schnell näher. Zu schnell. Mit dem Tempo konnte er unmöglich ausweichen, wenn der Orkan der Vernichtung zuschlug. Noch Sekundenbruchteile raste der karierte Kampfdrache auf Pelur zu, dann schnellte der Drache des ersten Drachenmeisters plötzlich in die Höhe und stieß seine Krallen herab. Es folgte ein entsetzlicher Schrei. Dann taumelte der karierte Drache in der Luft und stürzte ab.

Die Erde erbebte als sich das gigantische Wesen in den Boden Bohrte. Von seinem eigenen Gewicht getrieben bohrte sich der Körper des Drachens immer tiefer in den Fels. Seine Haut platzte an mehreren Stellen auf. Blut ergoß sich in Sturmfluten über das Gestein.

Der Drache starb. Pelur hatte wieder einmal gesiegt.

Der Orkan der Vernichtung ließ sein Siegesgebrüll erschallen. Er hatte seinen Gegner zerschmettert. Wie er es früher getan hatte. Wie er es wieder tun würde. Er war jetzt frei. Niemand konnte ihn aufhalten. Er breitete seine gewaltigen Schwingen noch weiter aus und machte den ersten Flügelschlag in ein neues Zeitalter des Terrors. Eine Ära der Unterjochung. Er würde wieder herrschen. „HALT!!!“ Die Stimme des Drachenmeisters übertönte jedes Geräusch und war noch meilenweit hörbar. Langsam drehte Pelur seinen Hals und starrte den Drachenmeister, der auf Gazelle hinter dem Kampfdrachen in der Luft schwebte. „Was willst du, Mensch?“, dröhnte seine Stimme im Kopf des Drachenmeisters. „Ich bin der 148. Drachenmeister. Das Oberhaupt des Bundes der Drachenritter. Ich bin der Erbe von Andragar, dem ersten Drachenmeister und ich befehle dir, dich dahin zurück zu begeben, wohin er dich einst verbannte!!“ Ein eisiges Schweigen hing in der Luft. Dieser Mensch wagte es doch tatsächlich ihm, Pelur zu befehlen. Er benahm sich tatsächlich wie Andragar damals. Doch dieser Mensch hier war nicht mehr als ein jämmerliches Abbild des ersten Drachenmeisters. Sein Wille war schwach. Sein Körper verletzlich. Pelurs Blick suchte den Blick des Mannes. Dann schlug sein Geist zu.

Der Körper des Drachenmeisters zuckte zusammen, als der ungeheure Wille der Kreatur auf in einhieb. Sein Geist konnte den gewaltigen Gedankenschlag zwar aufhalten, doch innerhalb weniger Sekunden war sein Widerstand zusammengebrochen. Pelur grinste breit. Zwar war der Mann doch stärker, als er ihn eingeschätzt hatte, dennoch war er kein Gegner für ihn. Der Kampfdrache konzentrierte seinen Willen und drückte zu. „Nein…“ Die Stimme des Drachenmeisters klang gequält. Doch er wollte nicht aufgeben. Er würde sich diesem Wesen entgegenstellen. Und wenn ihn dies sein Leben kosten würde. Kaum hatte er diesen Gedanken zu ende gedacht. Da durchfuhr ihn eine unheimliche Kraft. Es war, als würden ihm die Drachenmeister der vergangenen Zeiten und die, welche noch kommen gleichzeitig ihre Kraft schenken. Plötzlich stand Pelur wieder der Macht gegenüber, welche ihn damals in den Fels gebannt hatte. Entsetzt weiteten sich seine Augen. „NEIN!!“, schrie er im Geiste. „NICHT DU… NICHT IHR!!!“ Wieder fühlte er diesen ungeheuren Willen. Der Drachenmeister richtete sich wieder auf. Nun hatte er die Kraft, den Drachen zu bezwingen. „Du wirst tun, was wir dir befehlen!“, klang es mit hundert Stimmen aus seinem Mund. „Du wurdest geschaffen uns zu dienen und du hast noch eine Bestimmung zu erfüllen. Erst wenn wir es dir erlauben darfst du in Frieden leben oder sterben.“ „Nein!! Ihr werdet mich nicht noch einmal einsperren. Ihr habt keine Macht mehr über mich…“ Doch Pelur hatte den Kampf bereits verloren und spürte schon wie der Wille des Menschen und aller seiner Vorgänger und Nachfolger ihn zurück in die Höhle zwang.

Als Gazelle wieder auf den Zinnen der Burg landete war alles vorbei. Pelur ruhte wieder in seiner Höhle. Für eine lange Zeit, wie der nun wieder völlig normale Drachenmeister hoffte. Von dem Geistesduell mit dem Kampfdrachen noch immer erschöpft stieg er vom Rücken seines Reitdrachens und tätschelte dem Tier den Kopf. Ein Blick in den Burghof verriet ihm, daß auch die Schlacht hier erfolgreich geschlagen war. Die Ritter und Burgwachen waren mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und spätestens Morgen würde der Alltag wieder eingekehrt sein.

Heißes Blut dampfte aus Wunden, die unmöglich verheilen konnten. Das Wesen war definitiv Tot. Und dennoch regte sich etwas unter den stinkenden Fleischmassen. Die Blutige Masse hob und senkte sich. Dann stieß eine Hand daraus empor. Ihr folgte ein Arm und schließlich ein Kopf mit riesigen Ohren. Das Wesen Hustete und schnappte nach Luft. Angeekelt spuckte es Fleischfetzen aus. Das war einfach nur widerlich. Nach und nach grub sich die kleine, noch immer von Blut und Gedärm bedeckte Gestalt völlig aus den Überresten des Drachens und sah in den Himmel hinauf. Dort kreisten bereits die Raben. In einigen Wochen würde von dem Kadaver nicht mehr als ein paar Knochen übrig sein. Doch im Moment stand die Gestalt noch inmitten eines Gewaltigen Sauhaufens aus Fleisch ein Blut und noch widerlicheren Sachen. Ihr Blick löste sich von den kreisenden Aasfressern und schweifte zur ziemlich weit entfernten Drachenritterburg. „Na toll.“, sagte der Goblin, „Ich darf natürlich wieder laufen und alle anderen fliegen aus ihren Drachen rum…“ Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck wischte Takina sich die gröbsten Verschmutzungen von den Kleidern und machte sich schließlich auf den Weg zurück in die Burg.

Im Burghof kehrte langsam wieder Ordnung ein. Der Großteil der aus dem Leben geschiedenen war bereits beseitigt (Im Burggraben). Trotz der chaotischen und heftigen Schlacht hatte es fast keine Verluste unter den Verteidigern gegeben. Zwar waren viele Verletzte zu beklagen, aber das war sowieso nur Gejammer und der Versuch sich vor der Arbeit zu drücken (zumindest sah Dreibuchstaben das so).

Plötzlich erschien Reigam in der Tür. Der erste Magier hatte einen großen Krug unter dem Arm und eine Hand voll Pulver wurfbereit in der Hand. Hinter ihm versteckten sich Zeiram und Boraidan. Bereit sofort die Flucht zu ergreifen, wenn die Situation unangenehm wurde. „Ist etwa schon alles vorbei?“, fragte Reigam enttäuscht. Sir Wilkens hielt kurz in dem Versuch inne, den aufgespießten 101. Ritterclon von der Wand zu lösen und klärte den 1. Magier darüber auf, daß die Schlacht bereits seit fast einer Stunde geschlagen war. „Verdammt… Ich hasse Alchemie.“, zischte Reigam und zog sich mit seinem Topf wieder in sein Arbeitszimmer zurück. Dort gab es noch eine ganze Menge aufzuräumen.

Langsam senkte sich die Sonne dem Horizont entgegen. Takina war noch immer nicht eingetroffen. Der Goblin hatte sich verlaufen und war nun fast eineinhalb Tagesmärsche von der Burg entfernt. Doch das merkte niemand. Vielleicht würde das einem der Ritter auffallen, wenn ihm langweilig wurde. Aber auch nur vielleicht.

Die Aufräumarbeiten waren fast abgeschlossen. Sylvia versorgte die Drachen und als die Stimme Dreibuchstabens die gesamte Wache zum Appell rief und sie lauthals dazu aufforderte, sich zu rechtfertigen, warum am heutigen Tage sämtliche Wachposten für mehrere Stunden unbesetzt waren, wurde allen bewußt: „Alles war wieder so wie immer… alles war gut.“ ENDE …

Epilog:

Der Mond schien hoch am Firmament. Die Nacht hatte das Land fest im Griff. Eigentlich sollten nach solch einem Tag alle schlafen. Doch eine Gestalt schlich noch immer durch die Gänge der Burg.

„Wo seit ihr kleinen Biester?“, flüsterte die Gestalt und hielt den Lauf ihrer Waffe fest umklammert. Schon seit Stunden suchte er nun und hatte nichts gefunden. War es etwa möglich, daß alle Critters verschwunden waren? Oder waren sie diesen Wahnsinnigen, die diese Burg bewohnten zum Opfer gefallen? Was auch immer passiert sein mag. Für ihn gab es hier nichts mehr zu tun.

Der Bountyhunter hängte sich die Waffe wieder über die Schulter und machte sich auf den Weg Richtung Dach. Dort würde er sein Schiff rufen und diesen verrückten Ort verlassen. Vielleicht würde er sogar etwas Urlaub machen. Er öffnete eine Tür, die ihm den Weg versperrte und sah sich plötzlich einer schwer gepanzerten Gestalt gegenüber. „Ich wußte doch, daß du hier noch irgendwo herumschleichst. Jetzt wird dich der gerechte Zornd des 101. Ritters treffen. Mach dich für dein Ende bereit.“ Der Bountyhunter blickte die Gestalt entsetzt an. Das konnte doch nicht ernst gemeint sein. Doch schon im nächsten Augenblick wurde ihm der Ernst der Lage bewußt. Als Dreibuchstaben sein Schwert zog. „Das kann doch nicht wahr sein… NEIN!!!“, schrie er und rannte so schnell er konnte davon. Dreibuchstaben hob das Schwert und ließ einen lauten Ruf erklingen „ASSASSINEN!!!“ Brüllte er so laut, das sein Ruf bis in die letzte Ritze des entferntesten Raumes drang und machte sich im Laufschritt an die Verfolgung des Mannes, den er für den Attentäter, der ihn in der letzten Nacht aufgeweckte, hielt.

JETZT ABER ENDE …

geschichten/fantasy/naechtlicher_besuch/teil_50.txt · Zuletzt geändert: 24.03.2011 22:06 (Externe Bearbeitung)
Quelle: http://stefanjahn.de/geschichten:fantasy:naechtlicher_besuch:teil_50
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