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Nächtlicher Besuch - Teil 45

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 6.12.2001 um 22:42 Uhr

Sylvia rang mit der Bewußtlosigkeit, so stark hatte dieses ein Wort des Drachens ihren Geist getroffen. Sein Wille mußte unglaublich sein und sie war davon überzeugt, daß er sie hätte töten können, wenn er gewollt hätte. Trotzdem hatte sie keine Wahl. Wenn dieser eine Drache nicht bereit war die Gewalt zu beenden, vielleicht konnte sie den anderen dazu überreden. Doch wie sollte sie an ihn heran kommen? Um mit ihm zu sprechen, mußte sie ihn berühren. Doch wie sollte sie dies anstellen. Auf Entfernung Kontakt mit einem Wesen aufzunehmen funktionierte nur bei sehr einfachen Organismen mit beschränkter Intelligenz. Sylvias Blick fiel auf Takina, der immer noch auf dem Rücken des karierten Drachens saß. Goblins zum Beispiel.

Dreibuchstaben parierte einen weiteren Hieb des Drachenmeisters und wurde wieder mehrere Meter zurück geschleudert. Woher hatte diese nachahmung des Drachenmeisters nur diese Kraft? So mächtig war noch nicht einmal das Original. Ein weiterer parierter Hieb schickte den 101. Ritter zu Boden. Bisher war er noch nicht einmal dazu gekommen auch nur eine Attacke zu starten. Doch das wollte er jetzt ändern. Mit aller Kraft schwang er die Klinge des Zweihänders in Richtung Drachenmeister. Dieser Hieb war ein tödlich exakter Angriff. Mit der Genauigkeit eines Uhrmachers und der Kraft einen Felsen zu spalten geführt schnellte die Waffe auf den Gegner zu… und wurde pariert. Ein häßliches metallisches Kreischen hallte über den Burghof. Es war nicht zu fassen, daß jemand so schnell reagieren konnte und die Kraft aufbrachte einen solchen Hieb zu stoppen. Doch der falsche Drachenmeister hatte es geschafft. Ungläubig wanderte Dreibuchstabens Blick zwischen seinem Gegner und der Waffe in seiner Hand hin und her. Dann sah er das grausame, unvorstellbar Schreckliche. Seine Waffe hatte eine Scharte bekommen. Sein Lieblingsschwert war beschädigt. Dreibuchstabens Gesicht lief rot an vor Wut. »Du Bastard!“«, schrie er“außer sich vor Wut und sprang auf.

San Ra-Lu Quonling hatte inzwischen eine wirksame Methode gefunden „Bälle“ zu sammeln. Auf einem Teller in seinem Regal hatte er eine alte Frikadelle gefunden (in letzter Zeit war nicht viel Zeit zum Aufräumen geblieben). Diese lag nun an einem Strategisch günstigem Punkt, von dem aus sich der Duft des verwesenden Fleisches durch die ganze Burg verbreitete. Der alte Magier stand mit einer Keule und einem Kartoffelsack hinter der nächste Ecke und mußte die Biester nur noch einsammeln (nach vorheriger Liebkosung mit seiner Keule). Es dauerte nicht lange, da war sein Sack voll. Außerdem kamen keine Stachelbälle mehr. Anscheinend hatte er alle erwischt. Mit seiner Ausbeute machte er sich auf den Weg in den Burghof. Dort schienen sich alle versammelt zu haben, um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Doch als er den Burghof erreicht hatte wurde er überrascht. Alle standen einfach nur da und starrten in eine Richtung. Anscheinend fand dort etwas wichtiges statt. Doch das sollte ihm egal sein. San griff in den mitgebrachten Sack und zog einen der Stachelbälle hervor. Dann schlich er sich an den nächsten Karierten an. Dieser Kerl sah von hinten aus wie der Koch… egal wer er auch war. Er mußte als Versuchskarnickel herhalten. Quon wurde nicht enttäuscht. Kaum hatte er ihn mit dem Stachelball berührt, schon passierte mit dem nachgemachten Koch das selbe wie zuvor mit dem karierten Quon. San Ra-Lu Quonling grinste fies. Also gut. An die Arbeit.

Der Drachenmeister lief inzwischen die Treppe zum südlichen Wehrturm herauf. Er trug jetzt eine Rüstung. Diese hatte er unterwegs gefunden. Sie lag einfach auf dem Boden herum und irgendwie sah sie aus wie die Rüstung des Gorkinators. Doch das war jetzt egal. Das Oberhaupt der Drachenritter hatte das Gefühl dort oben gebraucht zu werden. Dieses Gefühl verstärkte sich noch als er die Plattform erreichte. Am Himmel tobte eine gewaltige Schlacht. Pelur, der gewaltigste und schrecklichste aller Kampfdrachen hatte sich aus seinem ewigen Schlaf erhoben und kämpfte nun gegen einen ebenso großen karierten (!) Drachen. Um die beiden gigantischen Kreaturen herum flogen unzählbar viele kleine Drachen herum und schienen nicht recht zu wissen, was sie tun sollten. Fassungslos starrte der Drachenmeister für einen Augenblick in den Himmel. Dann fing er sich wieder. Er setzte das Schlachtenhorn an die Lippen und blies so kräftig er konnte hinein. Augenblicklich löste sich eine der kleinen Gestalten aus dem Schwarm und kam zu ihm herüber. Nur Sekunden später landete Gazelle vor ihm auf den Zinnen des Turmes und reckte den Kopf zu ihm herunter. „Gutes Mädchen“, lobte der Drachenmeister seinen Drachen und stieg auf.

Takina war nicht in der Lage sich zu rühren. Sein Körper war vor Angst wie gelämt. Und als plötzlich ein fremder Wille nach seinem Geist tastete, konnte er auch diesen nicht abwehren. „Keine Angst.“, erklang Sylvias Stimme beruhigend in seinem Kopf. „Bleib einfach so sitzen.“ Dann verhallte ihre Stimme wieder. Bleib einfach so stitzen!! als ob er etwas anderes hätte tun können…

Sylvias Gedanken glitten durch Takinas Körper in den karierten Drachen hinein und tasteten dort nach dessen Geist. Sie mußte mit ihm reden. Egal ob sie wieder einen so starke psychischen Schlag wie bei Pelur abbekommen würde. Vorsichtig forschte ihr Geist nach dem Geist der riesigen Bestie. Da, das war es. Gequält schrie Sylvia auf, als sie den Geist berührte. Eine unvorstellbare Schwärze ging daraus hervor. Etwas dunkles, kaltes, daß sie aufzuzehren drohte. Das war kein Drache. Was auch immer es war, es war unvorstellbar böse. Unsägliche Schmerzen trieben einen grausam verzerrten Schrei aus ihrer Kehle. Dann verlos sie das Bewußtsein und stürzte.

Vermithrax erschauderte. Durch das enge Band zu seiner Herrin erkannte auch er, was gerade geschehen war und was diese karierte Bestie dem einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutete, angetan hatte. Wutentbrannt raste er auf das Ungeheuer zu und spie ihm seinen Odem mitten in das ausdruckslose Gesicht. Auch einige andere Drachen erkannten nun ihren wahren Gegner und innerhalb weniger Augenblicke stürzten sich alle Drachen auf die karierte Bestie. Und Sylvia stürzte noch immer in den sicheren Tod…

geschichten/fantasy/naechtlicher_besuch/teil_45.txt · Zuletzt geändert: 24.03.2011 22:06 (Externe Bearbeitung)
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