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Nächtlicher Besuch - Teil 44

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 06.12.2001 um 22:47 Uhr

Derweil tobte die Schlacht im Himmel über der Burg unvermindert heftig weiter. Die beiden gigantischen Drachen hieben mit den Klauen und den Flügeln aufeinander ein. Einige der karierten Wesen schienen sich aufzulösen. Doch das galt nicht für das Ebenbild Pelurs. Flammenlohen erhellten die rußgeschwängerte Luft um die beiden kämpfenden Giganten und verliehen der schrecklichen Szenerie eine noch unheimlichere Atmosphäre. Vor Entsetzen gelähmt saß der Goblin auf dem Rücken der riesigen, karierten Echse. Zwar bekam er mit, was um ihn herum passierte, doch er war einfach nicht in der Lage irgend etwas zu tun. Was hätte er auch tun können, gegen das Toben dieser beiden Naturgewalten. Auch Sylvia kam sich in dieser Situation klein und verloren vor. Was konnte sie unternehmen, um diesen Wahnsinn zu stoppen? Vorsichtig tastend schob sie ihre zarten Hände unter eine der Schuppen, direkt über der Wirbelsäule des Drachens. So müßte es gehen. Wieder konzentrierte sie ihren Willen, um mit einem Drachen reden zu können. „Das ist doch Wahnsinn. Bitte beendet dieses sinnlose Blutvergießen.“ flehte sie. Die Antwort hätte sie beinahe das Leben gekostet. Unheimlich laut hallte die Stimme Pelurs in ihrem Kopf und drohte ihn zu sprengen. Eine Antwort, so unerbittlich wie Laut. Und doch nur ein Wort: „Niemals!“ Eine einzige beiläufige Bemerkung Reigams über den 101. Ritter und sein untätiges Schwert hatten gereicht, Dreibuchstaben aus dem Arbeitszimmer hinein ins Kampfgetümmel zu treiben. Immerhalb von Minuten hatte er es geschafft eine Ansehnliche Streitmacht aus Rittern, Wächtern, Hausangestellten und einem Barden zusammenzusammeln und in eine Schlacht gegen die karierten Eindringlinge zu führen. Wo vorher nur einzelne Scharmützel stattgefunden hatten, tobte jetzt ein ausgewachsener Krieg. Die geringen Ausfälle auf Seiten der Karierten durch den Glockenschlag, hatte den echten Rittern und ihren tapferen Mitstreitern einen großen Vorteil verschafft. Dreibuchstaben wütete wie eine Maschine unter seinen Gegenern, während sein Ebenbild, von einem Ballista-Geschoß aufgespießt, in zwei Metern höhe an der Wand der Schmiede baumelte. In seiner Hand hielt er noch immer eine Rose. Ignorant, wie er nun einmal war, mißachtete der dreibuchstabige Herrscher mal wieder sämtliche physikalischen Gesetze, als er sein enormes, einhändig geführtes Schwert, nachdem es einen Karierten zerteilt hatte, apprupt abstoppte, um Rouvasch nicht gleich mit zu erledigen. Der Barde irrte orientierungslos über den Burghof, wich dabei dem einen oder anderen Schwerthieb aus und fragte sich, warum der 101. Ritter ihn hieher mitgeschleppt hatte. Yerho hatte seine ursprüngliche Gestalt angenommen und wütete ebenfalls gehörig unter seinen Feinden, als ihn plötzlich eine kräftige Hand am Hinterkopf packte und zu Boden zwang.

„Na, du Mißgeburt? Wie fühlt sich das an?“ „Yerho zweifelte an seinem Verstand, als er die Stimme erkannte. Das konnte nicht der sein, dem diese Stimme gehörte. Niemals würde er so reden. Doch er hatte keine Zeit mehr, länger darüber nachzudenken, weil er plötzlich in die Höhe gerissen und quer über den Platz geschleudert wurde. Der Schlachtenlärm verstummte und eine immer größer werdende, freie Fläche bildete sich um die Stelle herum, an der gerade noch Yerho gekämpft hatte. Dreibuchstaben stutzte. Was konnte passiert sein, daß alle aufgehört hatten zu kämpfen. Ziemlich ungehalten darüber, daß ihn jemand beim Kämpfen gestört hatte, arbeitete der 101. Ritter sich unter Einsatz seiner Ellenbogen durch die Menge, bis sich schließlich auch die letzte Reihe vor ihm teilte (oder besser gesagt „geteilt wurde“). Die Gestalt war furchteinflößend und selbst Dreibuchstaben mußte zugeben, daß er zumindest Respekt vor ihr hatte. Die war unheimlich groß und trug eine pechschwarze Rüstung. Rauch drang unter dem schwarzen Helm hervor. Die Augen glühten wie Kohlen. Langsam erhob die Gestalt ihr wuchtiges Schwert. „Ich habe auf dich gewartet, Berserker.“, sprach der Drachenmeister zu Dreibuchstaben. „Jetzt wirst du sterben, unwürdige Kreatur.“ Dann ging er auf den 101. Ritter los.

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