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Nächtlicher Besuch - Teil 24

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 3.11.2001 um 00:27 Uhr

Mit offenem Mund starrte Takina nach oben in den Himmel. Mit scheinbar behäbigen Flügelschlägen stand der gigantische, schwarze Schatten am Himmel und schien auf etwas zu warten. Nach all der langen Zeit, die der Drache Pelur unter der Burg geschlafen hatte, begann er nicht damit, alles zu fressen, was ihm vor die Schnauze kam. Statt dessen erhob er sich zum Himmel und wartete. Selbst der Goblin erkannte, daß dies kein typisches Verhalten für einen Drachen war. Doch plötzlich glaubte Takina den Grund für sein Warten entdeckt zu haben. Ein riesiger Schwarm Drachen stieg zum Himmel empor und griff das gigantische Wesen an. Von dem Standort des Goblins aus sah es aus, als Griffe eine Horde Spatzen einen Adler an. Nur mit dem Unterschied, daß die Spatzen eine weit größere Chance in ihrem Kampf gehabt hätten.

Etwa dreihundert Meter höher beobachtete noch jemand diese Szene. Lady Sylvia stand nun nicht mehr allein auf der Wehrmauer. Einige Ritter und fahrende Händler hatten sich zu ihr gesellt, um mit offenem Mund dieses grausame Schauspiel zu betrachten. Selbst die Wachen hatten ihre Posten verlassen und starrten entsetzt zum Himmel. Tränen standen in Sylvias Augen als sie sah, wie die Drachen in ihren sicheren Tod flogen. „NEIN!!!“, schrie sie und wirbelte herum. Mit fliegenden Füßen eilte sie die Treppe hinab in den Burghof, wobei sie fast gestürzt wäre. Dann lief sie in die Ställe. Vielleicht gab es noch eine Möglichkeit, das aufzuhalten. Kaum hatte sie die Stalltür aufgerissen, sah sie ihre Hoffnung bestätigt. Dort saß er und blickte sie verloren an. „Komm her Piru, mein Kleiner.“, flüsterte Sylvia beruhigend, als sie dem Drachenjungen eine Leine um den Hals legte. Sekunden später führte sie den Welpen auf den Hof hinaus und auf die Burgmauer. Vorsichtig wichen die Wächter vor ihr zurück als sie den Ängstlichen Blick in den Augen des Tieren sahen. Ein ängstlicher Drache konnte genauso gefährich sein wie ein wütender. Als sie an der Brüstung angelangten, blieb Sylvia stehen und redete beruhigend aber eindringlich auf den jungen Drachen ein. „Ich will, daß du jetzt springst. Breite einfach die Flügel aus und laß den Wind den Rest tun. Ich weiß, daß du das kannst.“, sagte sie schließlich und schwang sich dem Drachen, der kaum größer als sie selbst war, auf den Rücken. Piru machte einen vorsichtigen Schritt vorwärts und stieg dabei auf die Brüstung. Ein leises Winseln drang aus seiner Kehle. „Du kannst es.“, flüsterte Lady Sylvia und kraulte ihn hinter dem Ohr. Der Jungdrache verdrehte die Augen so, daß er seine Herrin ansehen konnte. Es schien, daß er nach Anzeichen von Angst oder Unsicherheit in ihrem Blick suchte. Doch die suchte er vergeblich. Dann sprang er und stürzte mit Sylvia auf dem Rücken in die Tiefe.

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