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Nächtlicher Besuch - Teil 16

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 07.09.2001 um 27:25 Uhr

Extrem gut gelaunt erreichte der oberste Magier sein Arbeitszimmer. Doch was war das? Kamen da nicht Geräusche aus seinem Allerheiligsten? Das konnte doch nicht sein. Wer wäre so dreist, sich an seinem Arbeitszimmer zu vergreifen? Wer wäre zu unverschämt… so boshaft… so lebensmüde? In diesem Moment flog die Tür auf und eine Gestalt, die entfernt, oder vielleicht nicht ganz so weit entfernt, ähnlichkeit mit dem Burggoblin aufwies, kam herausgelaufen. „Takina !!“, kreischte Reigam entsetzt und befürchtete das schlimmste. Doch was folgte hatte er sich nicht ausmalen können. Der kleine, grüne (oder in diesem Fall blau, grün, rot karierte) Ritter gab ein tierisches, bedrohliches Zischen von sich, griff nach dem Dolch an seinem Gürtel und warf ihn nach dem Magier. Glücklicherweise erwies sich das alte Sprichwort „Kinder und Magier, die zu viele kregische Haschkekse mit Pralinegeschmack gegessen haben, haben einen Schutzengel“ als zutreffend und die rasiermesserscharfe Klinge beschädigte nur die Robe in der Achselhöhle und verschwand dann harmlos in der Dunkelheit des Ganges. Wieder fauchte der Gobbo und verschwand ebenfalls im Dunkel. Verdutzt blickte Reigam ihm hinterher. War das eben tatsächlich Takina gewesen? Warum hatte er sich so benommen? Und warum sah er so seltsam aus? Kopfschüttelnd wandte der oberste Magier sich wieder der Tür zu und erlebte die nächste Überraschung. Er stand sich selbst gegenüber. Langsam hob Reigam die linke Hand und winkte. Sein Ebenbild hob ebenfalls die linke Hand und reckte ihm den Mittelfinger entgegen. Dann hob es die rechte Hand und schlug sie ihm mitten ins Gesicht.

Tief unter der Burg irrte eine Gestalt, die vor einigen Minuten nur knapp einem Herzinfarkt entkommen war, mit einer Fackel in den Händen durch finstere Gänge. Endlich erreichte sie eine Treppe. Doch ungünstigerweise führte sie nach unten statt nach oben. Die Gestalt fluchte leise und machte sich an den Abstieg.

Zwischenzeitlich wütete eine leicht erzürnte Kampfmaschine durch die Burg und ging durch eine Tür nach der anderen, ohne sich vorher die Mühe zu machen, sie zu öffnen. In respektvollem Abstand folgte der Barde dem berserkenden Ritter und murmelte immer wieder vor sich hin: „Oh, Nein. Oh, nein.“

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