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Nächtlicher Besuch - Teil 14

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 03.09.2001 um 23:55 Uhr

Es war ruhig… fast ruhig… Lediglich das Klappern der Zähne des völlig verunsicherten Barden war zu hören. Was war das? Vorsichtig bewegte Rouvasch die Hand und erwartete insgeheim, daß die magischen Reinigungsutensilien zurückkehren und ihn erneut anfallen würden. Als dies nicht geschah, entspannte er sich und sah sich im Raum um. Mann… so hatte er die Kaffee-Bibliothek noch nie gesehen. Der Raum war mehr als nur sauber. Der Boden war gewienert, sämtliche Krümel, Kaffee- und Rotweinflecken waren vom Tisch verschwunden, die Rüstung in der Ecke glänzte unglaublich hell. Lediglich das leise Knirschen, das aus ihrem Inneren drang war etwas störend… oh verdammt. Mit vor Wut hochrotem Kopf stand Dreibuchstaben in seiner Lieblingsrüstung und knirschte mit den Zähnen. Aber er würde ganz ruhig bleiben. Er würde nicht ausrasten. Er würde nicht laut brüllend durch die Burg laufen und nach diesem Assassinen suchen. Er würde einfach in seine Gemächer zurückkehren und sich wieder schlafen legen. Alles war in Ordnung. Er war völlig ausgeglichen. „NIEMAND TUT SO ETWAS UNGESTRAFT!!!“

Dreibuchstaben griff nach der Sehne der Armbrust und spannte sie mit einem kurzen Ruck. Das er dabei mehr als dreihundert Pfund mit den Fingerspitzen bewegte realisierte er in diesem Augenblick nicht. Rouvasch schreckte zusammen als er die laut hallende Stimme seines Freundes Todesdrohungen ausstoßen hörte. Laut scheppernd stapfte die hell glänzende Rüstung aus dem Saal heraus und griff im voebeigehen mit der rechten Hand nach einer gigantischen Streitaxt. Rouvasch schluckte schwer. Das würde wohl noch Ärger geben.

Takina kreischte entsetzt. Nicht nur, das er nicht mehr wußte wo links und rechts war… nicht einmal oben und unten konnte er von einander unterscheiden. Die Wild durcheinander wirbelnden Reinigungsgeräte trugen ihn immer weiter in das Gewirr der Kanäle hinein. Innerhalb weniger Sekunden hatte er die Orientierung verloren. Wahrscheinlich würde diese Fahrt niemals enden und ihn bis zum jüngsten Tag durch finstere Gänge treiben. Der Goblin landete hart auf dem Boden. Dann war alles still. Es dauerte eine Weile, bis sich der bunte Wirbel in seinem Kopf beruhigt hatte. Dann sah Takina sich um. Dieser Raum schien ihm völlig fremd. Nichts was er sah, kam ihm auch nur im entferntesten bekannt vor. Was allerdings auch daran liegen konnte, daß es hier so Finster war, daß er nicht einmal seine eigene Nasenspitze erkennen konnte. Langsam stand er auf und tastete sich vorsichtig an der Wand entlang. Eine Hand hielt er dabei immer vorgestreckt. Schließlich wollte er sich nicht den Kopf stoßen. Natürlich fand er bei all dieser Vorsicht den einzigen Gegenstand, der hier am Boden lag und stolperte darüber. Mit schmerzverzerrtem Gesicht tastete der Gobbo nach der Ursache für seinen Sturz und stellte erstaunt fest, daß es sich um eine Fackel handelte. Mit einem Streichholz, das er in seiner Hosentasche fand, entzündete er die Fackel. Langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an das Licht und er konnte endlich etwas erkennen. Langsam sah er sich um und kreischte wieder vor Entsetzen auf, als er plötzlich in die bleiche Fratze eines Totenschädels sah.

San Ra-Lu Quonling erwachte. Hatte da nicht etwas einen seiner Zauber ausgelöst? Na und wenn schon… Der Magier drehte sich wieder um, um weiterzuschlafen. Er drehte sich ein weiteres mal um. Und noch einmal. Ach verdammt… er würde sowieso nicht weiterschlafen können, bevor er nicht wußte was da vor sich ging. Also raffte er sich auf, warf den dicken Morgenmantel über und schlüpfte in seine Hausschuhe. Träge schleifte er seine vor Müdigkeit schweren Glieder aus dem Zimmer und den Gang entlang. Wie es der Zufall, oder die Tatsache das man alle Zauberer im selben Trakt untergebracht hatte, wollte, kam er auch an Reigams Arbeitszimmer vorbei. Der Alte Magier blieb stehen und lauschte. Irgend etwas brodelte und polterte dort drinnen. San Ra-Lu Quonling versuchte garnicht erst seiner Neugier zu wiederstehen und öffnete die Tür. Fast wäre ihm vor Verblüffung die Kinnlade heruntergeklappt. Tatsächlich bewegte sich etwas brodelndes in diesem Zimmer. Doch was es war, vermochte der Magier nicht zu sagen. Alles was er wußte war, daß er so etwas noch nie gesehen hatte und das es eindeutig magischer Herkunft war. Vorsichtig schloß er die Tür wieder und begann seinen Bart zu zwirbeln, während er angestrengt nachdachte und murmelte: „Und was mache ich jetzt?“

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