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Nächtlicher Besuch - Teil 12

Autor: Malik Athramis
Geschrieben am: 01.09.2001 um 02:01 Uhr

Diese Bastarde. Erst lockte man ihn mit den schönsten und lustigsten Visionen aus dem Bett und dann das. In der Speisekammer befanden sich zwei Personen. Der großere der beiden Männer war zweifelsohne der 101. Ritter. Und der andere, mit dem Dreibuchstaben gerade einen großen Schinken und einen Leib Brot teilte? Das war Rouvasch… Takina wußte nicht warum, aber irgendwie fühlte er sich betrogen. Vielleicht konnten die Beiden nichts dafür, doch ein klein wenig Rache für den entgangenen Spaß war wohl trotzdem angemessen. Der Goblin brauchte keinen wirklichen Grund, um sich an jemandem zu rächen. Hastig lief der kleine Kerl die Treppe des Turmes hinauf, bis er im Arbeitszimmers der obersten Magiers stand. Hier hatte er etwas gesehen, was er für seine Rache gut gebrauchen konnte. Da war sie. Die Tischdecke des Arbeitstisches. Takina ergriff ein Ende und zog mit einem Ruck daran. Diesen Trick hatte er bei einem Gaukler gesehen. Doch leider hatte der Gaukler wohl mehr Erfahrung in solchen Dingen. Ihm waren auf jeden Fall nicht sämtliche Ampullen, Kannülen, Destilliergefäße, Flaschen und Döschen auf den Boden gefallen und zerbrochen. Naja… die Sauerei würde er später weg machen, dachte sich der Gobbo und eilte mit der Pechschwarzen Decke auf sein Zimmer. Ruckzuck hatte Takina sich aus dem Edlen und unheimlich teueren Stoff einen Kampfanzug geschneidert, oder vielmehr zugeschnitten und mit Riemen an den Körper gezurrt. Noch schnell einen Zettel geschrieben und einen Dolch eingepackt, dann konnte es los gehen. Wenige Sekunden später stand er im Korridor vor der Speisekammer und wog den Dolch in der Hand. Nachdem er den Schwerpunkt der Waffe und die ungefäre Entfernung zur Tür abgeschätzt hatte, spießte er den Zettel auf die Klinge und Warf den Dolch. Zitternd blieb die Waffe in der Tür stecken.

Dreibuchstaben ließ von der Salami, die er sich gerade zu Gemüte führte ab und lauschte. War da nicht gerade etwas? „Hast du das auch gehört?“ fragte der massige Ritter den Barden, der genüßlich weiter an einer gebratenen Wachtel kaute. „Da hat einer angeklopft… hat wohl auch Hunger.“, mampfte Rouvasch. Vorsichtig öffnete Dreibuchstaben die Tür und entdeckte den Dolch. Der 101. Ritter zog die Waffe aus dem Holz und schloß die Tür wieder. „Da ist ein Brief dran.“, bemerkte er. „Dann liesch doch.“, nuschelte der Barde. Ungeschickt, die Panzerhandschuhe störten doch ein wenig, faltete der Ritter den Zettel auseinander und begann zu lesen: „Ihr sait allä tot !!!“ Rouvasch verschluckte sich fast an einem Stück Hartkäse. „Gib mal her.“ Tatsächlich stand dort in wackeligen Buchstaben: „Ihr sait allä tot !!!“ Nervös sah der Barde den Ritter an. „Was machen wir jetzt?“ „Was wohl?“, erwiderte Dreibuchstaben und stieß die Tür weit auf. Dort am Ende des Ganges stand tatsächlich ein Assassine. Blitzschnell schleuderte der 101. Ritter den Dolch.

Takina kicherte. Gleich würden sie um Hilfe rufen oder sich wimmernd in der Kammer einschließen, bis sie am nächsten Morgen der Koch verjagen würde. Er konnte sich so richtig ihre dummen, verängstigten Gesichter vorstellen. Was er sich allerdings nicht vorstellen konnte war, daß Dreibuchstaben reagierte, wie es nun mal seine Art war. Plötzlich flog die Tür der Speisekammer auf und im selben Moment machte sich ein Dolch auf den Weg Goblinschaschlik zu machen. Entsetzt kreischte Takina aus und schaffte es im letzten Moment dem Tödlichen Wurfgeschoß zu entkommen. Jetzt wurde es aber höchste Zeit die Beine in die Hand zu nehmen.

„Er flieht!“, rief der 101. Ritter laut aus. „Ihm nach!!“ Rouvasch hatte seine liebe Mühe mit dem gewaltigen Mann Schritt zu halten. Wie schaffte er das nur, sich mit so viel Metall am Körper so schnell vorwärts zu bewegen? Der Ritter verschwendete keinen Gedanken an so bedeutungslose, nebensächliche Dinge wie Physik und Anatomie. Statt dessen griff er im laufen nach einer an der Wand hängenden Armbrust und feuerte sie auf den vermeindlichen Meuchelmörder ab.

Mit einem Hechtsprung entkam Takina dem Bolzen und landete hinter einem großen Sessel, den für gewöhnlich Quon für seine allabendlichen Studien benutzte. Der Armbrustbolzen zerfetzte seinerseits die seidenbezogene Kopfstütze des Sessels. Verdammt… Jetzt hatte wohl sein letztes Stündlein geschlagen… Hier kam er nicht mehr raus, ohne von Dreibuchstaben zu Muß verarbeitet zu werden. Gerade wollte er aufgeben, als er Schleifspuren an Boden entdeckte. Das gab es doch nicht. Hinter Quons Studiensessel befand sich ein Geheimgang. Es dauerte nicht lange, da hatte der Goblin die Geheimtür geöffnet und war dadurch verschwunden.

Währenddessen begannen die Flüssigkeiten und Pulver auf dem Boden von Reigams Arbeitszimmer zu brodeln. Und es schien fast, als würde die zähe Masse, die sich inzwischen dort gebildet hatte, zu leben beginnen.

geschichten/fantasy/naechtlicher_besuch/teil_12.txt · Zuletzt geändert: 24.03.2011 22:06 (Externe Bearbeitung)
Quelle: http://stefanjahn.de/geschichten:fantasy:naechtlicher_besuch:teil_12
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