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Der Ringstadtroman - Teil 5

Autor: Stefan Jahn
Geschrieben am: 22.05.2002 um 22:59 Uhr

Der Kanzler zuckte zusammen als er den Namen Doshoor hörte: „Meint ihr nicht das Doshoor etwas übertrieben ist?“

Der Herrscher wandte sich dem Kanzler überrascht zu: “ Übertrieben? Wieso?“

„Doshoor der Finstere. Der Finstere hat bei Doshoor zwei Bedeutungen, erstens ist es Doshoors Seele, seine Einstellung und zweitens wird Doshoors Erscheinung im Umkreis immer von einer unnatürlichen Finsternis bis zur totalen Dunkelheit begleitet.“

„Und was soll daran jetzt so schlimm sein?“

„Doshoor hat vor ungefähr 2000 Jahren einen Pakt mit den Urdämonen geschlossen. Mit deren Hilfe ist es ihm gelungen eine gigantische Armee der Untoten auf die Beine zu stellen. Lange Zeit war Doshoor nahezu unbesiegbar. Jeder Krieger der im Krieg gegen Doshoor gefallen war stand kurze Zeit später als Untoter auf und reihte sich in Doshoors Armee ein. Jeder Verlust auf der Seite der Gegner Doshoors war ein Gewinn für seine Armee. Doshoor wurde durch seine Macht aber überheblich und vergaß seinen Pakt mit den Urdämonen. Dies war sein Untergang. Als er seinen Teil des Paktes nicht mehr erfüllte - in den uralten Schriften ist leider nicht mehr erkennbar um was es genau ging - rächten sich die Urdämonen. Die Urdämonen vernichteten auf einen Schlag seine Armee der Untoten, nahmen Doshoor jegliche Macht und holten ihn zu sich. Doshoor wurde - laut den Schriften - über einen Zeitraum von 1000 Jahren langsam und auf's schmerzvollste von den Urdämonen hingerichtet. Der ursprüngliche Doshoor existiert nicht mehr, seine Seele ist verdunkelt. Sein unendlicher Zorn auf die Urdämonen rettete ihn aber vor der endgültigen Vernichtung. Schliesslich gelang Doshoor die Flucht aus den Klauen der Urdämonen, vor denen er sich noch heute versteckt.“

„Ist ja alles ganz nett, Kanzler, aber was sind die Kräfte von Doshoor dem Finsteren?“

„Man weiß es nicht genau. In der Gefangenschaft der Urdämonen hat er anscheinend eifrig die Mächte der Urdämonen studiert und sich teilweise diese angeeignet.“

„Das klingt doch gut. Ich glaube wir haben unseren idealen Gegner für unsere verwöhnte Königstochter gefunden. Irgendwelche Schwächen von Doshoor?“

„Das ist das Problem. Dieses Pergament mit den Geißeln vergangener Jahrhunderte ist nahezu unzerstörbar. Man kann es aber mit großem Aufwand ändern. Doshoor hat es geschafft. Hier, mein Herrscher, seht selbst.“ Mit diesen Worten ging der Kanzler langsam auf den Herrscher zu und zeigte mit zittriger Hand auf eine Textstelle in dem Pergament. Der Herrscher verengte seine Augen und versuchte die Stelle zu lesen. Es gelang ihm aber nicht. Kaum hatte er die Zeile erfasst, als sich die Buchstaben vor seinem Auge auflösten, sich untereinander verdrehten und langsam nach hinten wegfallen als ob die Buchstaben in einen tiefen Brunnen stürzen würden.

„Genialer Einfall von Doshoor. Er konnte das Pergament mit seinen Schwächen nicht zerstören, also machte er die entsprechenden Textstellen unleserlich.“

„Mein Herrscher, schauen sie nicht zulange auf diese Stellen. Es gab Leute die dadurch schon den Verstand verloren haben.“

„Nun gut, Kanzler, bereitet alles für eine Anrufung von Doshoor vor. Ich werde mich derweilen in meine Gemächer zurückziehen und weitere Pläne schmieden.“

„Ja, mein Herscherr“, erwiederte der Kanzler, nahm die Pergamente entgegen, drehte sich langsam um und verließ den großen Hornsaal durch die mächtige Eichentür.

Der Herrscher stand nun alleine in der Mitte des Hornsaales. Blitze leuchteten durch das Fenster und hinterließen gespenstische Erscheinungen auf den Wänden. „Königstochter, das wird euer Ende sein.“, murmelte der Herrscher. Darauf betrat er seine eigenen Gemächer durch eine kleine Türe die am Ende des Hornsaales in die Wand eingelassen wurde.

Das Gemach des Königes war einfach und doch stilvoll eingerichtet. Der größte Platz nahm das große Bett am Ende des Raumes ein. Gleich rechts davon stand der Schreibtisch für die tägliche Arbeit. Auf dem Schreibtisch waren verschiedene Dokumente kreuz und quer verteilt. An der linken Seite des Raumes waren Bücherregale verschiedener Größe angebracht in denen etliche alte und wertvolle Bücher standen. Gleich hinter dem Schreibtisch befand sich ein kleines Fenster. Durch dieses Fenster hatte man, ebenfalls wie im Hornsaal, ungehinderten Blick auf die Stadt unterhalb der Burg.

Der Herrscher näherte sich dem Bett als plötzlich das Schloß der Tür kurz magisch aufglühte.

„Nein, nicht jetzt!“, rief der Herrscher aus.

Kurz hinter dem Herrscher erschienen zu der rechten und linken Seite zwei schwarze schreckliche Kreaturen. Die Luft fing an zu flackern - so wie über einem heißen Feuer - und gab nach und nach immer mehr Details der Kreaturen preis. Schon kurze Zeit später standen beide Kreaturen in ihrer vollen Pracht vor dem Herrscher. Tiefschwarze Geschöpfe, nichts an ihnen war auch nur im entferntesten menschenähnlich. Ihre schwarzen, eiförmigen Unterleibe saßen auf sechs gelenkigen Beinen, gleich einer Spinne, die in eine Klaue endete die aus drei mächtigen Krallen bestand. An der Vorderseite des Unterleibes waren zu jeder Seite zwei mächtige Greifarme angebracht. Diese Greifarme, die ebenfalls in eine Klaue mit drei Krallen endete, waren um einiges mukulöser als die Spinnenbeine. Kurz oberhalb der Greifarme war der Kopf der Kreatur angebracht. Der Kopf hatte die Form einter etwas flach gedrückten Kugel. Am oberen Ende waren zu beiden Seiten zwei große kreisförmige Augen eingelassen. Die Augen waren durch und durch tiefschwarz, es war unmöglich zu erkennen wohin die Kreatur gerade blickte. Kurz unterhalb zwischen den zwei Augen waren zwei kleine Löcher vorhanden. Diese Löcher wurden von einer Membran verschlossen, die sich wiederum alle paar Minuten öffnete - die Atmung der Kreaturen. Das gräßlichste an der Kreatur war aber das Maul. Der untere Teil des Kopfes teilte sich der länge nach. Das Maul öffnete sich, im Gegensatz zu den Menschen und den anderen Rassen wie Elfen und Trolle, nicht nach oben und unten, sondern seitwärts. In dieser Öffnung konnte man eine reihe schwarzer spitzer Zähne sehen. Ohren waren am Kopf keine zu erkennen. Die Farbgebung beschränkte sich bei der Kreatur auf ein pures schwarz, nicht ein Fleck des Körpers wurde von einem anderen Farbspektrum erhellt.

Die Kreaturen blieben regungslos im Raum stehen. Eine zeitlang geschah nichts, aber dann …

„Der Lord ist unzufrieden über den Verlust der Drohne.“

Der Herrscher zuckte zusammen. Er hatte sich immer noch nicht an die Verständigung mit diesen Kreaturen gewöhnt. Die Stimme kam nicht aus dem Maul der Kreatur - das Maul war gar nicht fähig solche Laute hervorzubringen - sondern ertönte mit voller Wucht und schmerzender Lautstärke direkt im inneren seines Kopfes. Er hatte schon Leute gesehen die bei der ersten Verständigung mit diesen Kreaturen, oder besser gesagt aller Kreaturen der Dunklen Legion, unter Schmerzensschreie zusammengebrochen sind.

„Ist doch unwichtig, war doch eh nur eine einfache Drohne.“

Wieder ertönte die vollkommen monotone und tiefe Stimme im Kopf: „Hüte deine Zunge Markus! Der entsprechende Puppetmaster bekommt durch jeden Verlust einer seiner Drohnen eine Rückkopplung - oder für dich Mensch einfacher ausgedrückt: der Puppetmaster erleidet Schmerzen beim Verlust einer Drohne.“

„Was sind schon Schmerzen im Gegensatz zum Verlust meiner eigenen Leute?“

Der Herrscher, Markus, zuckte zusammen. Er wurde ruckartig von einer unsichtbaren Macht ungefähr einen Fuß in die Höhe gehoben. Panisch schaute er in die ausdruckslosen Augen der Kreaturen, er kam aber nicht mehr dazu irgendwas zu erwiedern. Ein gellender Schrei entwich seiner Kehle als sich die Haut von seinem Körper langsam in Streifen löste und zu Boden glitt. Aus den vielen Wunden sprudelte das Blut nur so hervor und bildete am Boden unter seinem Körper eine Blutlache die immer größer und größer wurde. Er hörte noch das Knacken seiner Knochen in den Beinen als er plötzlich wieder vollkommen unversehrt auf dem Boden stand. Das Blut war verschwunden. Er war vollkommen unverletzt. Was blieb war die erschreckende Erinnerung an die unerträglichen Schmerzen.

„Las dir das eine Warnung sein Markus. Du bist Abhängig vom Lord.“

Markus rang nach Luft, immer noch versuchte er die Gedanken an die Schmerzen zu verdrängen. „Was wollt ihr?“

„Keine Fehler mehr. Seh zu das sich die anderen Königreiche nicht verbünden und versammle weiter deine Streitkräfte. Wir haben schon entsprechende Verstärkung von unserer Seite geschickt.“

Kaum war die Stimme aus Markus Kopf verschwunden als sich die zwei Kreaturen auch schon wieder in Luft auflösten. Markus wusste aber das sie nie von seiner Seite wichen. Sie waren immer kurz hinter ihm und folgten ihm auf jeden Schritt und Tritt. Er konnte nie etwas unternehmen was den Kreaturen - den sogenannten Shadows - entging. Und selbst wenn, er konnte sich bei keiner Person in diesem Königreich sicher sein ob sie nicht zur Dunklen Legion angehört oder von dieser kontrolliert wird. Die Puppetmaster hatten einen großen Teil seiner Leute versklavt.

Mittlerweile war auch das magische Siegel auf der Tür wieder verschwunden. Markus konnte somit wieder seine Gemächer verlassen. Markus dachte an seine Vergangenheit zurück: Was hatte er vor vier Jahren angestellt. Damals war er noch ein einfacher Krieger in den Reihen des Nördlichen Königreiches. Aber das sollte sich alles ändern als er nach einem Erdbeben ein uraltes schwarzes Artefakt gefunden hatte. Wenn er doch schon damals gewußt hätte was für Mächte - die Dunklen Legion - er durch die blose Berührung des Artefaktes heraufbeschwor. Er war ein Sklave der Dunklen Legion, er diente dem Lord. Eins verstand Markus aber immer noch nicht, warum hatte man ihn - einen Menschen - als König eingesetzt und nicht gleich eine Kreatur der Dunklen Legion oder gar den Lord höchstpersönlich?

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