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Der Ringstadtroman - Teil 2

Autor: Stefan Jahn
Geschrieben am: 10.04.2002 um 20:55 Uhr

Andrina atmete erleichtert und tief durch den Mund ein. Endlich hatte man ihr diesen Fetzen Stoff aus den Mund genommen, der als Knebel diente. Andrina meinte schon mehrmals an diesem Knebel ersticken zu müssen. Nur durch die Nase zu atmen ist auf lange Zeit doch etwas anstrengend. Und dieser eklige Geschmack des Lumpen in ihrem Mund. Sichtlich froh das der Knebel endlich mal wieder entfernt wurde, spukte sie kurz auf den Boden und wand sich dann ihrem Widersacher zu. „Was ich will? Das fragst Du? Erst überfällst du mich und dann schleppst du mich schon 2 Tage hinter dir her, und jetzt fragst du was ich will? Könntest du mir bitte sagen was das soll? Ich weiß immer noch nicht den Hintergrund dieser Aktion!“

„Aha, das edle Fräulein will wissen was los ist?“, raunte der Mann.

„Ja“, fauchte Andrina den Mann an.

„Ich kann keine Auskunft geben!“

„Na toll, das reicht mir nicht!“

„Nein, ich kann aber keine Auskunft geben!“

„Aber …“, kaum hatte Andrina das Wort gesprochen, als der Mann mit einer schnellen Handbewegung wieder den Knebel an Andrina anbrachte. Von Andrina waren nur noch vereinzelnte Summgeräusche zu hören. Wortlos wandte sich der Mann von Andrina ab. Andrina sank wieder zu Boden. Ihre Gedanken fingen wieder an zu kreisen.

Was war hier los, dachte Andrina. Hatte diese Aktion etwas mit ihrem geheimen Auftrag zu tun den sie vom König bekommen hatte? Das war die einzige Erklärung. Aber nein, das konnte nicht sein. Der Feind war doch noch nicht so weit ins Landesinnere eingedrungen. Ausserdem war der Mann doch ein Mensch, oder? Langsam hob Andrina ihren Blick in Richtung Vollmond. Momentan war er immer noch nicht zu sehen, der Himmel war voller Wolken.

Voller Sehnsucht nach ihrer Heimat, einem kleinen Dorf namens Loheim, hoffte Andrina das hoffentlich irgendjemand ihr zur Hilfe kommen würde. Ihr Auftrag vom König war viel zu wichtig als das sie sich mit sowas hier aufhalten könnte. Das kommt davon einen Geheimauftrag anzunehmen, dachte Andrina, so geheim das mich keiner findet. Schliesslich weiß ja keiner wo ich bin.

Plötzlich wurde Andrinas Gedankengang unterbrochen als sie ein Geräusch neben ihr am Boden wahrnahm. Die Erde direkt neben Andrinas Beinen schien sich zu bewegen. Die alten und braunen Blätter der Bäume wurden zu Seite geschoben. Die Erde unter den Blättern schien zu leben. Langsam und Unaufhaltsam wuchs die Erde nach oben. Zwei kleine Säulen entstanden, die an ihren oberen Enden wieder zusammenflossen. Kurze Zeit später verzweigte der obere Teil wieder an den Seiten in zwei kleine Säule. Das ganze sah aus wie der stark deformierte Körper eines Menschen. Ja, es war ein Lebewesen, denn jetzt bildete sich auch der Kopf. Ein Erdelementar, schoß es Andrina durch den Kopf. Ja, es mußte ein Erdelementar sein. Sie hat schon oft davon gehört, aber noch nie eins gesehen. Ruckartig öffneten sich die Augen in der kleinen Kugel aus Erde die anscheinend den Kopf darstellen sollte. Auch der Mund erschien jetzt. Und auf einmal konnte Andrina das Elementarwesen hören. Die rauhe, tiefe Stimme - vollkommen unpassend zu diesem kleinen Körper - schien dabei direkt in ihrem Kopf zu entstehen. Sie übertönte alles.

„Mensch, bist du Andrina?“

„Hmmmhhmhhmmmm“, entfuhr es Andrina die ja immer noch den Knebel im Mund hatte.

„Nicht sprechen, denken!“, raunte die Stimme in Andrinas Kopf.

„Äh .. ja!“, dachte Andrina zögerlich.

„Gut! Keine Angst, Zandros hat mich geschickt.“

Zandros! Zandros, schoß es Andrina druch den Kopf! Das konnte doch nicht sein. Zandros, einer von Andrinas besten Freunden. Ja klar, dachte Andrina, Zandros war ein Magier, nur er konnte so ein Elementar beschwören. Aber woher weiß Zandros wo sie war? Ihr Auftrag war doch geheim, und sie war doch schon viel zu weit von ihrer Heimat entfernt.

Andrina konzentrierte sich auf den Satz „Du bist wirklich von Zandros geschickt worden?“, dabei immer noch ihren Feind im Auge der friedlich am entfernten Lagerfeuer saß und sein Nachtmahl zu sich nahm. „Ja, keine Zeit für Erklärungen! Ich soll dir nur sagen das sie dich befreien!“, kaum hatte das Erdelementar diesen Satz in Andrinas Kopf geformt als es nach hinten überfiel und in Staub zerfiel. Aber da war wieder die Stimme in Andrinas Kopf, „Der Mann ist nicht das was er vorgibt.“

Etwas erleichtert atmete Andrina auf. Hilfe war in Anmarsch. Aber wer war noch bei dem Elf Zandros dabei? Immerhin sprach das Elementar ja das sie mich befreien. Und was meinte das Elementar damit das der Mann nicht das ist was er vorgibt. Beruhigt lehnte sich Andrina wieder nach hinten und wartete ab was nun passieren sollte.

Der Mann erhob sich von seinem Lagerfeuer. Anscheinend hat er seinen Hunger gestillt. In der Hand hielt er eine kleine Schüssel mit Brot und etwas Fleisch. Der Mann wandte sich wieder Andrina zu. Weiter kam er aber nicht mehr. Dafür ging die Ganze Sache viel zu schnell. Im Hintergrund rannte ein Zwerg aus dem Busch, sprang in die Höhe, und verpasste dem Mann mit einer großen Keule einen mächtigen Hieb auf den Hinterkopf. Ein kurzes Stöhnen noch, und der Mann sank ohnmächtig nach vorne zusammen. Dort lag er nun auf dem Boden direkt neben dem Lagerfeuer.

Nun war auch Zandros zu stelle. Der schlanke und wendige Elf erschien ebenfalls hinter einem Busch und ging mit schnellen Schritten auf Andrina zu. Wie immer trug Zandros den roten Umhang der ihn erkennbar als Mitglied seiner Magier-Gilde kennzeichnete. In der rechten Hand hielt Zandros seinen knorrigen Stab, der ungefähr so groß war wie er selber. Sein Zauberstab, er war unverzichtbar um mächtigere Magie wirken zu lassen. Während Zandros mit flinken Handbewegungen den Knebel und die Fesseln von Andrina löste, kümmerte sich der Zwerg im Hintergrund darum das der Mann als hübsches, verschnürtes Paket endete.

„Zandros! Mann bin ich froh dich zu sehen!“, erhob Andrina die Stimme

„Das kann ich mir denken. So wie es aussieht kamen wir ja gerade nochmal rechtzeitig.“, antwortete Zandros.

„Ja, aber wie habt ihr mich gefunden?“

„Naja, als du beim König vorsprechen warst, dachte ich mir schon das du einen Auftrag bekommen hast. Schliesslich hast du dich in letzter Zeit nicht gerade sehr gesprächig deinen Freunden gegenüber gezeigt! Und so dachte ich mir, folge ich dir einfach mal um zu sehen was da abgeht.“

„Mann, da kann ich ja froh sein das du so neugierig bist!“

„Ja, ansonsten bringt mich meine Neugier ja meistens nur in brenzlige Situationen.“

Mittlerweile hatte sich auch der Zwerg zu ihnen gesellt. Andrina stand auf und schaute Zandros fragend an, „Darf ich fragen wer dein mutiger Helfer ist?“

„Der Zwerg hier heißt Erik. Er dient am Hofe des Königs. Irgendwie bekam er mit das ich dich beobachtete. Ich war wohl doch nicht vorsichtig genug.“

„Ja“, fiel Erik Zandros ins Wort, „und da dachte ich mir, nur tatenlos rumstehen und warten bis der Feind das Königreich überfällt will ich auch nicht. Und da ich weiß das du, Andrina, irgendeinen Auftrag vom König bekommen hast hab ich mich kurzerhand Zandros angeschlossen!“

„Genug geredet“, sprach Zandros, „wir müssen uns erst um den Mann kümmern!“

„Wieso so eilig?“, fragte Andrina und schaute auf den Mann, der gefesselt am Boden lag, „Er ist doch hübsch gefesselt.“

„Das reicht nicht“, sprach Zandros, „wir müssen ihm helfen. Komm mit, Andrina, ich zeig es dir!“. Zandros drehte sich um und ging langsam auf den Mann zu.

„Helfen? Wie meinst du das Zandros?“, fragte Andrina und schaute den immer noch bewußtlosen Mann an.

„Ich werde es dir zeigen.“, antwortete Zandros und drehte mit Eriks Hilfe den Mann auf den Rücken. Langsam öffnete Zandros die Wildlederweste des Mannes und dann schliesslich das weiße Hemd. Mit einem Ruck zog Zandros das Hemd zur Seite.

Andrina erschrak! „Bei den Göttern, das ist … das ist doch das Zeichen der Dunklen Legion, oder?“, stammelte Andrina verwirrt.

„Ja, leider“, antwortete Erik trocken.

„Aber das kann nicht sein!“, sprach Andrina, die wieder einen klaren Gedanken gefasst hatte, „Er ist ein Mensch, er kann nicht zur Dunklen Legion gehören!“

„Das stimmt schon, Andrina. Aber hast du nicht die Berichte der Flüchtlinge aus den eroberten Königreichen gehört?“

„Doch, schon …“, Andrina konnte kaum ihren Satz vervollständigen als Zandros wieder weitersprach, „Schon mal was von einer Drohne gehört?“

„Nein, das kann nicht sein! Ich dachte das sind Gerüchte die von den Flüchtlingen kommen, oder?“

„Leider nein.“, flüsterte Erik verbissen, „Die Kundschafter des Königs konnten erst vor kurzem feste Beweiße vorbringen das diese Drohnen existieren.“

In Gedanken ging Andrina die Gerüchte durch. Was wußte sie über eine Drohne. Nach den Gerüchten zu urteilen waren Drohnen arme Menschen, die von der Dunklen Legion irgendwie verändert wurden und nun im Dienste der Dunklen Legion standen. Aber es war noch nie jemanden gelungen, dies zu beweisen. Das lag wohl auch daran, daß die Drohnen sich nur in der Nähe von erobertem Gebiet aufhielten und sich nicht weit von der Dunklen Legion entfernten.

„Was für Beweise?“, fragte Andrina erstaunt.

Zandros holte tief Luft und setzte zu einer Erklärung an: „Den Kundschaftern ist es gelungen eine Drohne gefangen zu nehmen. Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Wie du weißt, gibt die Drohne nie ihr Wissen preis. Selbst unter den größten Schmerzen wirst du nie eine Antwort von der Drohne erhalten. Ein paar Gelehrte und Magier kamen dann dahinter, daß das ganze mit dem Symbol der Dunklen Legion auf der Brust der Drohne zusammenhängen könnte. Ist ja auch irgendwie verständlich, denn wenn man eine Drohne tötet, verschwindet das Zeichen auf der Brust. So als ob es nie dagewesen währe. Die gelehrten vermuteten richtig das durch das Symbol ein Bann ausgeübt wird. Irgendwie schafften sie es kurzzeitig diesen Bann zu brechen. Daraufhin war die betroffene Person nicht mehr eine Drohne sondern wieder er selbst. Der arme, anscheinend muß er in panischer Angst mehrere unverständliche Sätze von sich gegeben haben. Nachdem was die Gelehrten erfahren konnten, wird eine Drohne von einem sogenannten Puppetmaster gesteuert. Es muß eine grauenhafte Kreatur sein. Menschen werden gejagt und zu einem Puppetmaster gebracht. Der Puppetmaster ritzt mit seinen Krallen die Brust des Opfers leicht an. An dieser Stelle erscheint dann kurz darauf das bekannte Zeichen der Dunklen Legion. Kaum tritt dieser Fall ein, so hat das Opfer jegliche Kontrolle über seinen Körper verloren. Der Puppetmaster kontrolliert nun das Opfer. Deswegen auch der Begriff Drohne.“

„Bei den Göttern.“, stammelte Andrina, „Aber was ist mit dem Opfer? Wenn es den Gelehrten kurzzeitig antworten konnte, nachdem der Bann gebrochen wurde, so muß das Opfer doch die ganze Zeit Höllenqualen in seinem eigenen Körper erleiden. Man sieht und hört alles, kann aber nichts dagegen unternehmen!“

„Ja“, sprach Zandros, „den Gelehrten ist es leider nicht gelungen das Zeichen zu entfernen. Der Puppetmaster erlangte wieder Kontrolle über seine Drohne und hat diese einfach getötet.“

„Verdammte Dunke Legion!“, flüsterte Erik

„Da kannst du Gift drauf nehmen das sie verdammt ist.“, sprach Zandros, „Aber lasst uns nun die Seele dieses Mannes befreien.“ Kaum gesagt, so zog Zandros sein Messer aus der Scheide. „Ich hoffe das der eigentliche Besitzer dieses Körpers nichts fühlt“, sprach Zandros und stach zu.

Ein kurzes Zucken ging durch den Körper des Mannes. Und da, das Symbol der Dunklen Legion löste sich langsam auf. Die Augen des Mannes wurden leicht klarer. Auf jeden Fall wirkten sie nicht mehr so dunkel wie vorher. Plötzlich zog der Mann kurz Luft in seine Lungen und brachte gequält noch einige Worte zur Aussprache: “ Danke! Endlich frei … endlich frei!“. Dann legte sich ein Lächeln auf das Gesicht und die Reaktionen verstummten. Der Mann war gestorben. Er hatte sein Leid hinter sich.

„Die Götter mögen uns helfen!“, sprach Andrina, „Schon wieder ein weiteres Leben das von der Dunklen Legion vernichtet wurde.“

Die Dunkle Legion. Vor 3 Jahren ist sie zum ersten Mal urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Am Anfang war die Anzahl der Kreaturen und Machthaber auf der Seite der Dunklen Legion ziemlich klein. Sie arbeitete im verborgenen. Aber dann, als die Zeit gekommen war, schlug sie erbarmungslos zu. Die Krieger der Dunklen Legion überrannten die nördlichen Königreiche und nahmen sie in Besitz. Jeder, der nicht rechtzeitig fliehen konnte, wurde ohne Erbarmen getötet oder versklavt. Noch heute schaffen Tausende von Sklaven tief in den Erzmienen der Dunklen Legion. Die Flüchtlinge denen die Flucht gelang und es somit schafften in dieses oder andere Königreiche zu fliehen berichteten von unvorstellbaren Greueltaten. Solange die Dunkle Legion aber in ihrem eroberten Bereich blieb, duldete jeder König zwangsläufig ihre Präsenz. Aber mittlerweile war das Pulverfaß kurz vor der Explosion. Die Kundschafter berichteten vermehrt von massiven Truppenbewegungen an der Nordgrenze von diesem Königreich. Es sah so aus, als ob die Dunkle Legion den Einmarsch plant.

„Was ist eigentlich dein Auftrag den du vom König bekommen hast?“, fragte Zandros.

„Ich bin als geheimer Bote zum König des östlichen Reiches unterwegs. Unser König Simon will eine Allianz mit dem König Balthasar des östlichen Reiches eingehen.“

„Keine schlechte Idee“, sprach Erik, „nur wenn sich die restlichen Königreiche verbünden, kann es uns gelingen die Dunkle Legion ein für alle Mal in ihre Hölle zurückzuschleudern.“

„Etwas wundert mich aber“, sprach Andrina.

„Was?“, fragte Zandros.

„Naja, die Drohnen, sie bewegen sich doch eigentlich nur in der Nähe der Dunklen Legion, oder?“

„Stimmt schon. Aber wenn die Dunkle Legion so weit weg von ihren Grenzen Drohnen einsetzt, so bekommt sie es anscheinend mit der Angst zu tun!“, antwortete Erik.

Zandros holte kurz Luft und erwiderte, „die Dunkle Legion und Angst? Glaube kaum, die sind doch die Angst höchst persönlich!“

„Hmmm … vielleicht befürchtet die Dunkle Legion wirklich das sich die restlichen Königreiche verbünden könnten.“ , sprach Andrina.

„Wenn das so ist“, raunte Zandros, „so mußt du unbedingt deinen Auftrag erfüllen! Wir sind natürlich auf deiner Seite, oder Erik?“

„Ja!“, antwortete Erik, „lasst uns zusammen den Marsch zum östlichen Königreich machen!“

Alle drei steckten ihre Hände in die Mitte aus und umfassten sich gegenseitig. Ihr Bündnis war besiegelt. Langsam drehte sich die Truppe um und machte sich auf den langen Weg …

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